Donnerstag, 10. Dezember 2009

kulinarisches
















Montag, 30. November 2009

Die Zeit ist eine Tochter der...?

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Eine „Erstaunlichkeit“ (dieses Neologismus braucht man für Argentinien) die ich vergessen hatte zu berichten möchte ich jetzt nachholen:

Als ich im Jänner ankam war Sommerzeit. Dann wurde im März auf Winterzeit umgestellt. Im September brach – wie jedes Jahr – eine Diskussion aus, ob wieder auf Sommerzeit zurückgestellt wird. Argentinien hat sich dieses Jahr darauf nicht einigen können und bleibt bei der Winterzeit!

Samstag, 21. November 2009

Aufruf zur Fußgängerrevolte

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PARE, so heißt STOP in der argentinischen Höflichkeitsform. Das Schild dient an den Kreuzungen übrigens nur zur Zirde

Der aggressive Unterton im heutigen Eintrag versucht gar nicht erst sich zu verstecken. Dies ist nicht verwunderlich, weil es diesmal um den Verkehr in einer lateinamerikanischen 13-Millionen-Metroploe geht. Das geht zwar ohne Regeln, aber nicht ohne Emotionen.



Der Verkehr in Buenos Aires ist vor allem durch zwei Phänomene geprägt: Unfassbare Rücksichtslosigkeit und unfassbare Hektik. Wer sich brutaler verhält, setzt sich durch. Da Bluffen eine wichtige Rolle spielt, bremsen die Autos nie ab, auch nicht wenn man als Fußgänger/in irgendwo die Straße überquert. Damit signalisieren die Autos dass du divh verdammt noch einmal beim überqueren zu beeilen hast. Wie in allen Staaten denen man als eurozentristischer Chauvinist punktuelle Zivilisationsdefizite attestieren würde (eine überhebliche Herblassung, die mir in Momenten des Zorns manchmal einschießt), haben Fußgänger/innen in Buenos Aires keine Rechte. Zebrastreifen bedeutet nichts, wer selbige glaubt verwenden zu können wird vorher niedergehubt und nachher beschimpft. Weder Autos noch Busse haben Skrupel vor einer roten Ampel mitten am Zebrastreifen stehen zu bleiben. Motorräder rasen zwischen überquerenden Fußgänger/innen wie Irre hindurch. Auch Fußgängerampeln sind keine Garantie auf Sicherheit, vor allem abbiegende Fahrzeuge sind oft der Meinung in diesem Fall Vorrang zu haben.

Es gibt einen Haufen Taxis in Buenos Aires, sie sind hier schwarz-gelb. Taxis sind auch deshalb verhasst, weil sie – wenn leer – vor Kreuzungen immer auf 10 km/h abbremsen um keine Kunden zu verpassen. Das erregt den Zorn der anderen Autofahrer/innen.

Generell fahren die Portenos (so heißen die Einwohner/innen von Buenos Aires) mit Vollgas und Vollbremsung. Sie beschleunigen prinzipiell wie die Irren, fahren mit hoher Geschwindigkeit in die rote Kreuzung und bremsen dann wie verrück an der Ampel ab. Was das für Spritverbrauch und Fahrzeugabnutzung bedeutet kann man sich ausmalen. Für jeden Milimeter Vorsprung wird ein völlig überflüssiger Spurwechsel riskiert. Dabei schneidet man seinen Nachbarn natürlich bei hohem Tempo. Staut es sich hinter der nächsten Ampel schon, fährt man bei Orange selbstverständlich in die Kreuzung. Dass es gleich rot wird und die Querstraße damit total blockiert ist wird ohne Fingerzucken in Kauf genommen. Die Autobusse verhalten sich nicht anders als die PKW oder Motorräder. Besonders schlimm sind die Taxis. Sämtliche Gefährte machen einen Höllenlärm, wobei die alten Lastwagen und Autobusse nur noch von den auffrisierten Mopeden übertroffen werden, die – vorzugsweise nachts – mit ihrem ohrenbetäubenden Gedröhne die Luft zerreißen.


Der Colective Nr. 4 von meinem Balkönchen aus, mit Sicht auf die Kreuzung wo ich wohne, Urquiza und Garay. Mit diesem fahre ich jeden Tag in die Arbeit

Am gefährlichsten sind aber zweifellos die Colectivos, die Autobusse in Buenos Aires. Sie wurden in den 90er-Jahren privatisiert, jetzt ist jede der 180 Buslinien eine Privatfirma. Was ein profitmaximierender städtischer Personenverkehr bedeutet, wird im Folgenden ersichtlich: Die Busse sind zumeist mindestens 20 Jahre alt und hinterlassen immer eine Abgaswolke die jeden VÖST-Schlot staunen lässt. Sie sind vollgestopft mit Menschen, rattern ruckartig mit Höllenlärm durch die Stadt und bewegen sich wie pubertierende Autodromfahrer. Sie rasen bei Rot über die Ampel, überholen sich in engen zweispurigen Einbahnen gegenseitig, schneiden sich untereinander sowie andere Verkehrsteilnehmer/innen. Sie fahren schnell durch enge Gassen und verletzen bei ihren Manövern mit ihren Rückspiegel immer wieder einmal Fußgänger/innen die am einfach am Gehsteig gehen. Die Colectivos kommen in willkürlichen Rhythmen. Typisch ist, dass 15 Minuten keiner kommt und dann zwei auf einmal. Das Steilste was ich erlebt habe waren vier unmittelbar hintereinander. Kommen sie lange nicht, sind sie natürlich besonders überfüllt. Manchmal sind sie so voll, dass sie gar nicht stehen bleiben, was dann weitere 15 Minuten Wartezeit bedeutet. Die Busse bleiben – wie die U-Bahn – nur extrem kurz stehen, ein und aussteigen passiert halb im Fahren, manchmal wird man beim Einsteigen fast hinausgeschleudert, weil der Bus schon mit vollem Karacho losfährt, während man mit einem Bein noch am Asphalt steht. Wie alte Leute damit leben ist mir völlig unklar, man sieht wohl deswegen nur sehr wenige in den Öffis. Bei uns würden Charlie Blecher und Andreas Kohl ob solcher Zustände Volksbegehren, wenn nicht Volksaufstände initiieren.

Die Anzahl an Verkehrstoten ist extrem hoch, aber was soll ein Staat machen dessen Regeln prinzipiell ignoriert werden? Die an jeder Ecke stets gemütlich herumstehenden Polizisten von Buenos Aires kosten diese Zustände nicht einmal ein Achselzucken. Außerdem ist die Exekution von Strafen schwierig. Die Vernetzung zwischen den Behörden der einzelnen Provinzen ist schlecht. Es wird als Innovation gesehen wird, dass auch Nicht-Portenos die Verkehrssünden begehen demnächst abgestraft werden. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass mindestens die Hälfte der Verkehrsteilnehmer/innen aus der Provinz Buenos Aires (14 Mio. Einwohner/innen) und nicht aus Buenos Aires Capital Federal (3 Mio. Einwohner/innen) kommen, macht diesen Umstand besonders delikat.

Ein paar Taxis an meiner Kreuzung. Heute ist ein verregneter Samstag Nachmittag, daher ist relativ wenig los.

Da vom Staat nichts zu erwarten ist, setze ich auf Selbstorganisation und rufe zum zivilen Widerstand zwecks Disziplinierung motorisierter Verkehrsteilnehmer/innen in Buenos Aires auf. Meine Tipps:

Der konsequente Übersteiger: Ein Auto steht mitten am Zebrastreifen vor der roten Ampel, du hast grün. Geh nicht um das Auto herum, sondern steig über die Kühlerhaube

Die Temporegulierungs-Blockade: Ein Auto reduziert nicht das Tempo während man einen Zebrastreifen überquert, weil es kalkuliert, dass es sich ausgeht wenn man selbst einen Zahn zulegt. In diesem Falle empfehle ich breitbeinig und frontal zum Auto stehen zu bleiben um ein Abbremsen zu erzwingen

Der Reflextest: Ein Auto fährt zu schnell in eine Kreuzung mit Zebrastreifen, an dessen Rand man steht um zu queren. Mein Tipp: Das Auto durch einen ruckartigen angedeuteten Schritt schrecken und eine Bremsung provozieren.

Der Disziplinierungs-Kick:Weiters empfehle ich aufbindbare Stahlkappen für Front und Ferse zu kaufen. Alle Gefährte die einen am Zebrastreifen aus der Querstraße kommend schneiden oder hinten zu knapp auffahren, bekommen einen Tritt ins Blech (Motorräder nicht!). Vor allem Taxis.

Die Andeutung der Brandmarkung: Taxis die bereits mehrere Tritte im Blech haben sollte man zum Schein aufhalten, als wollte man ihre Transportdienstleistung in Anspruch nehmen. Beim öffnen der Tür empfiehlt sich ein Spruch wie „Marcardo“ (markiert), ehe man die Tür zuknallt und weitergeht. Das wird die ungeduldigen Taxler von Buenos Aires zur absoluten Weißglut treiben.

Die geduldige Verzögerung: Busse die es besonders eilig haben, kann man durch besonders langsames Ein- und Aussteigen eventuell ein bisschen Geduld beibringen. Vielleicht verliert man eine Zeitschrift in der Türe und muss sie umständlich aufheben.

Der beharrliche Free Ride: Sollte ein Bus wieder einmal willkürlich an einer Haltestelle nicht stehen bleiben empfehle ich – fall es sich ausgeht – bis zur nächsten roten Ampel zu laufen, dort auf die Einstiegsplattform (die 10 cm. Breite sind Platz genug zum Stehen) zu springen und sich an den äußeren Halterungen festzuhalten. Der Busfahrer kann wählen ob er die Tür gleich öffnet, oder du eben ein bisschen draußen mitfährst und bei der nächsten Haltestelle einsteigst.

Das Soli-Drücken: Auch von Innen kann man dieser Anhalte-Willkür des entgegenwirken, indem man – sobald sich abzeichnet dass er nicht stehen bleibt – solidarisch mit den draußen wartenden den Ausstiegsknopf drückt.


Der 32er hinterlässt immer eine feine Rauchwolke die durch mein offenes Fenster dringt um meinen Raum vollständig auszufüllen. Punkto Lärmpegel können Kreissägen bei ihm Nachhilfe nehmen. Er kommt alle zehn Minuten, manchmal beglücken mich gleich drei hintereinander.

Kürzlich habe ich mich über einen Autobus unfassbar geärgert, der mir während des Überquerens einer breiten Straße den Zebrastreifen blockiert hat um sich vor der roten Ampel ordentlich einzubremsen. Im Affektzorn habe ich ihm dem Fahrer und die Scheibe gehaut und siehe da er hat ein paar Meter zurückgeschoben und ich konnte gerade weitergehen. Es zahlt sich also aus sich zu wehren. Diese Kampfschrift an alle Fußgänger/innen von Buenos Aires werde ich irgendwann noch auf Spanisch übersetzen und auf roten Flugzettel in der Avenida Corrientes verteilen.

Mittwoch, 11. November 2009

Alle reden übers Wetter. Ich auch.

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Zu diesem Eintrag zeige ich eine Fotoserie von einem Wochenendausflug auf eine Insel im Delta des Rio de la Plata. Die zahlreichen Inseln grenzen unmittelbar an Tigre, den nördlichsten Ausläufer von Gran Buenos Aires an und sind bewohnt.


Für Auslands-Österreicher/innen gibt es online umfassende Möglichkeiten sich über Vorgänge in der Heimat zu informieren. Neben den Onlineausgaben der Tageszeitungen sind es vor allem die ZIB 2 und das Mittagsjournal, die einen via Internet auf dem Laufenden halten. Bei mir so wie bei anderen linksliberalen Exilanten-Kolleng/innen sehr beliebt ist auch das Publizistische Werken des Robert Misik in seiner Internet-Videosendung.

Der Hafen von Tigre. Sämtliche Personen- und Frachtboote zu Versorgung der Inselbewohner/innen legen hier an und ab. Die Personenboote gehen regelmäßig und sind quasi der Autobus für die Menschen auf den Inseln.

Die Anlegestelle an der Insel.

Die Sinnhaftigkeit im Rahmen einer heimischen Nachrichtensendung über das österreichische Wetter informiert zu werden ist hingegen enden wollend. Einen praktischen Zweck gibt es nicht und der emotionale Wert der Information speist sich eher aus der untersten Schulblade der tiefen Gefühlskiste. Schadenfreude wenn das Wetter in Österreich schlechter ist als hier, Genugtuung wenn es hüben und drüben regnet, Neid wenn es drüben besser ist als hier und Missgunst wenn in Wien und Buenos Aires die Sonne scheint. Außerdem wird man paranoid: Der diesjährige (österreichische) Sommer ist in meiner subjektiven Auffassung wesentlich besser ausgefallen, als die meisten Jahre zuvor. Trotz Unwetter. Der argentinische Winter hat sich ziemlich in die Länge gezogen (das bestätigen auch die weniger parteiischen Einheimischen). Nach vielen leidvollen Wintermonaten, die wesentlich kühler waren als ich erwartet hatte, kann ich jetzt endlich über einen – für argentinische Verhältnisse relativ späten – Frühsommerbeginn berichten. Während es in Wien schon so kalt ist, dass man bei Demonstrationen Hauben tragen muss haben wir 17 Grad. In der Früh, tagsüber 31. Hier ist nämlich gerade Mai. Es zeigt sich schon, diesem Blog-Eintrag wohnt ein gewisser boshafter Genuss inne….



Ein Schlösschen, das nun ein Museum ist.

In Häuschen wie diesen leben die Insulaner/innen

Vor einigen Monaten nannte ich den langen Sommer als einen von zehn Gründen um nach Buenos Aires auszuwandern. Dies möchte ich vollständig zurücknehmen. Sollte das kühle österreichische Klima ein Grund sein die Alpenrepublik für immer zu verlassen, kann ich Buenos Aires keinen Falls als Fluchtdestination empfehlen. Ein Onlineblick auf die hiesigen Wetteraufzeichnungen der letzten Monate wird sicher stark von dem abweichen was ich hier erzähle, das ist mir aber egal. Mir war so oft kalt, dass ich mich um keine ausgewogene Gewichtung meiner Erzählungen kümmere.



Das Häuschen ist das letzte von ca. zehn seiner Art und liegt ganz hinten auf der Insel

Buenos Aires bedeutet zu Deutsch ja quasi die Stadt der guten Lüfte. Tatsächlich unterscheidet sich die argentinische Metropole von Mexiko-Stadt etwa dadurch, dass die Luft nicht steht sondern alle paar Tage – wie von einem riesigen Ventilator – immer verblasen wird. Sprich, es gibt viel Wind. Das ist meistens sehr unangenehm, weil der Wind die gefühlte Temperatur deutlich kühler erscheinen lässt als sie ist. Das weiteren sorgt der Rio de la Plata dafür, dass es auch sehr oft feucht ist. Das zu einer Kombination von Wind und Feuchtigkeit, die einem die Kälte unter die Haut kriechen lassen. Besonders hervorheben möchte ich den 26. Oktober, ein Datum das ich mir als eingefleischter Patriot leicht merken konnte. An diesem Tag hatte es 20 Grad und der Himmel war wolkenfrei. Also fast schon das Maximum, was ein österreichischer Sommer zu bieten hat. Trotzdem war es, vor allem im Schatten, richtig kühl und niemand war ohne Jacke unterwegs. Der Wind und die Feuchtigkeit haben die Temperatur und die Sonne ausgestochen.


Mein Bekannter Lenius aus Kolumbien ist der Bewohner dieses Inselhäuschens, das er mit einem Pärchen teilt. Für sein Zimmerchen, Küche, WC und Riesengarten zahlt er nur 300 Peso (60 Euro) Monatsmiete.



Rückblickend muss ich sagen, dass die beiden richtigen Wintermonate (Juli und August) wesentlich angenehmer waren als die Übergangsmonate Mai, Juni, September und Oktober. In Juli/August gab es meiner Wahrnehmung nach wenig Regen, wenig Wind, viel Sonne und viele stabile Hochdrucktage. Die Temperatur erreichte meistens am Nachmittag 10 bis 15 Grad. Die Übergangsmonate waren nass, windig und kalt. Einmal gab es eine Kombination aus kühlen Temperaturen (sprich null Grad), Regen und Wind die als gefühlte Kälte an das schlimmste herankam was ich je in Österreich gefühlt habe.

Tatsächlich ist der Winter deutlich trockener als die Übergangsmonate. Achtung, dieses Klimadiagramm beginnt mit Juli. Zum Vergrößern anklicken.

Buenos Aires liegt einfach schon zu weit südlich, zu nahe an der Antarktis. Sieben Monate lang ist hier einfach definitiv nicht Sommer. Noch bedrückender ist, dass es an der ganzen 5000 km. langen argentinischen Atlantikküste nicht einen Ort gibt, der es im Sommer mit der Stabilität des Mittelmeerklimas aufnehmen kann. Es setzt sich – auch in den großen Sommerurlaubszentren wie Mar del Plata immer wieder ein kühler Polarwind durch, der sogar bis an die Küste der Provinz Buenos Aires Pinguine anschwemmen kann! Wer wettermäßig auf Nummer Sicher gehen will muss sich nach Nord-Brasilien, Kolumbien oder in die Karibik absetzen. Dort ist s wirklich immer warm. Angeblich.

Der Garten Eden. Er ist riesig und es gibt nicht nur sämtliche Früchte, sondern sogar Nussbäume.

Montag, 9. November 2009

Gebildetes Argentinien

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Athene (römisch Minerva), die Göttin der Weisheit. Ob der Standort der auf dem Foto abgebildeten Statue wirklich optimal gewählt wurde darf bezweifelt werden.

Anlässlich der Unistreiks in Österreich werde ich heute ein paar Worte zum Bildungsniveau in Argentinien verlieren. Als Ausgangspunkt möchte ich auf einen meiner Blogeinträge aus dem März eingehen, indem ich geschildert hatte, ich würde bei Taxi- und Kioskkonversationen als Notlüge manchmal behaupten aus „Alemania“ (Deutschland) zu sein um nicht umständlich erklären zu müssen, was Austria im Gegensatz zu Australia sei. Nun, das habe ich mir aus einem einfachen Grund abgewöhnt. Fast alle Argentinier/innen – auch jene die im Kiosk arbeiten – können irgendwas mit Österreich anfangen. Sie wissen zumindest wie die Hauptstadt heißt, können Österreich mit klassischer Musik assoziieren (so zuletzt ein Obdachloser (!) dem ich zwei Peso geschnorrt habe), waren gar vor zehn Jahren im Zuge einer Europareise selbst in Innsbruck oder haben sogar Vorfahren aus der Monarchie. Mein anfänglicher Eindruck war vor allem auch noch gefärbt von hier lebenden Ausländer/innen, die keine Ahnung hatten. Leute aus Australien, Kanada den USA, aber vor allem auch aus Westeuropa die mich gefragt haben, welche Sprache man in Österreich spreche. Überdies hatte ich die Erwartungshaltung, dass die Argentinier/innen vom Ausland so viel Ahnung haben wie die Amis. Das trifft überhaupt nicht zu. Gerade punkto in- und ausländischer geographischer Belange ist das Niveau der Allgemeinbildung erstaunlich hoch. Da man glaubt im Ausland sei alles besser als zu Hause, kennt man sich dort auch aus. Dieses Land, das sich so danach sehnen würde zur westlichen Gemeinschaft zu gehören, hat seine Idole genau studiert.


Jorge Luis Borges (1899 – 1986) gilt neben Julio Cortázar (1914 – 1984) als der wichtigste argentinische Dichter. Die surreale Atmosphäre seiner Kurzgeschichten erinnert mich am ehesten noch an Kafka.

Beispiel Sozialarbeiter/innen: In Phasen wo sehr wenig Kinder ins CAINA kommen (25 abwärts), stehe ich manchmal minutenlang in Wartehaltung bei meinem Essenausgabefenster. Diese Zwischenpausen vertreibe ich mir gelegentlich mit einem Buch, was die Neugier der angestellten (universitär ausgebildeten) Sozialarbeiter/innen weckt die sich dann unauffällig anpirschen. Lese ich Borges (auf Deutsch versteht sich, das ist schon anstrengend genug), erzählen sie mir im Detail seine Biographie, seine politische Einstellung, seine soziale Herkunft, welche Bücher er in welcher Lebensphase verfasst hat und wie er sich dabei jeweils von Cortazar (der zweite Nationaldichter) unterscheidet. Lese ich etwas über Bernstein (deutscher reformistischer Sozialdemokrat der Jahrhundertwende), entsteht eine Diskussion in der X Kautsky und Lenin vergleicht, Y mir erzählt sie sei neun Jahre lang politisch aktiv gewesen und kenne Bernstein aus diversen Diskussionen und Z über das Genie Marx und sein Werk „Das Kapital“ schwärmt, welches er sich gerade in einem Lesekreis mit Studienkollegen aneignet.

Beispiel Reinigungskräfte: Nicht nur die Akademiker/innen im CAINA verfügen über eine profunde Allgemeinbildung, auch ein Mitglied des Putzpersonals erstaunt mit umfassenden Kenntnissen über Mozart Klavierstücke, die er zu Hause auch gerne selbst spielt. Er kennt auch sämtliche andere Komponisten, deren Werke und deren Lebensgeschichte.


Im zeitgenössischen Tanz werden oft gesellschaftspolitische Themen verarbeitet. Viele Leute die Ballett tanzen, tanzen auch zeitgenössisch und viele Leute die zeitgenössisch tanzen, interessieren sich auch für gesellschaftliche Fragen.

Beispiel Tanz: Es mag ein Zufall sein, aber mehrere Tanzkolleginnen zwischen 20 und 25, deren Traum es ist bei irgendeiner wichtigen Tanzkompanie im Bereich Ballett oder Zeitgenössischem Tanz unterzukommen (oder das sogar schon geschafft haben), sind gegen jedes Vorurteil nebenbei Studentinnen der Politikwissenschaft, umfassend informiert und an gesellschaftlichen Fragen sehr interessiert. Diskussionen darüber wieso der Nationalsozialismus im protestantischen Teil Deutschlands besser Fuß fassen konnte als im katholischen ergeben sich genauso wie Debatten über das Menschenbild bei Nietzsche (denen ich mangels eigener Kenntnis als erstaunter Zuhörer beiwohne).

Beispiel Haus: In meinem Haus wohnen derzeit drei Argentinier/innen und drei Europäer/innen. Außerdem gibt es noch einige Freunde des Hauses, die Argentinier/innen sind ausnahmslos alle sind politisch interessiert, wenn nicht gar selbst engagiert sowie auffallend informiert und gebildet. Teilweise im klassischen Sinne, weil sie sich mit Philosophie oder politischer Theorie beschäftigt haben. Teilweise aber auch einfach reich an spezifischem Allgemeinwissen. Etwa die Akzente und Dialekte in Argentinien und Lateinamerika betreffend. So werden die Zusammenhänge zwischen dem Napoletanischen (das sich vom italienischen sehr unterscheidet) und dem Lunfardo (dem Dialekt von Buenos Aires) genau geschildert. Sie kennen aktuelle Details der städtischen Kommunalpolitik, die Geschichte der Kolonialisierung Argentiniens und der verschiedenen Migrationswellen haben sie ebenso auf Punkt und Beistrich intus wie die politische Geschichte des Landes seit der Epoche Perons zur Mitte des 20. Jh. Ihr Interesse und ihr Wissen verunmöglichen es, dass der Gesprächsstoff jemals ausgehen könnte.


Der aus Uruguay stammende Eduardo Galeano, einer der großen Intellektuellen Lateinamerikas hat 1971 die in zahlreiche Sprachen übersetzte Ausbeutungs- und Kolonialgeschichte „Die offenen Adern Lateinamerikas“ verfasst.

Beispiel Diskussionszirkel: Großen Eindruck hat auf mich auch ein Diskussionszirkel eines befreundeten Philosophiestudenten gemacht. Es handelt sich dabei um besonders interessierte Leute, die sich alle zwei Wochen treffen um soziologische oder politische Texte zu diskutieren. So etwas mag es in Wien auch geben, was mich dann aber doch sehr erstaunt hat war wie unfassbar profund und unglaublich breit das Bildungsniveau dieser Gruppe aus fertigen oder fast fertigen Soziologen, Historikern, Juristen und Philosophen (alle Gruppenmitgliede waren männlich) war. Detaillierteste Kenntnisse der europäischen und amerikanischen Geschichte, sämtlicher politischer, soziologischer und ökonomischer Theorie, der Philosophie, der Literatur etlicher Sprachen (Proust, Kafka, Orwell etc.) und der Geographie im globalen, sowie im kleinsten Detail (Welche Straßen begrenzen die 48 Bezirke von Buenos Aires!) hatte ich in dieser Intensität vorher noch nie gesehen. Obwohl weder Ökonomen noch Sozialdemokrat/innen dabei waren (die Gruppe bestand aus Linksperonisten und Liberalen), hatten die Anwesenden exakte Vorstellungen über Keynes und Hayek genauso wie über Bebel oder Hilferding. Was man noch bedenken muss: Die Gruppe kannte nicht nur sämtliche Gedanken der europäischen Geistesgeschichte. Alle diese Leute haben detaillierte Kenntnisse über die sozialwissenschaftlichen Diskurse Lateinamerikas. Die politische Situation und Geschichte aller lateinamerikanischen Staaten, die ideologische Welt des Peronismus, die Theologie der Befreiung, der Pädagogik der Unterdrückten, die Dependenztheorie eines Galenos („Die offenen Adern Lateinamerikas“), all das kennen die Leute aus dem Effeff. Es bedeutet letztlich, dass sie doppelt gebildet sind, europäisch und lateinamerikanisch. Meine Kenntnisse der europäischen Geistesgeschichte kommen an jene dieser Gruppenmitglieder nicht heran. Die lateinamerikanische kenne ich überhaupt nur fragmentarisch. Obwohl viele dieser Leute aus ökonomischen Gründen Argentinien noch nie verlassen haben, sind sie echte Weltenbürger.




Überhaupt habe ich von Anfang an festgestellt, dass die Studierenden in Buenos Aires nicht nur gesellschaftspolitisch deutlich interessierter sind als die unsrigen (Unibesetzungen gibt’s hier monatlich, oft auch in Solidarität mit Arbeitskämpfen die mit der Uni nichts zu tun haben), sondern vor allem auch deutlich gebildeter. Das geht natürlich Hand in Hand. Wie stark politisches Interesse und Allgemeinbildung korrelieren, wird mir erst hier richtig bewusst. (Mein sehr subjektiver Begriff von Allgemeinbildung schließt alle Bereiche die mich wenig interessieren – naturwissenschaftliche, medizinische, technische Kenntnisse etc. – nicht ein.) Ideologie kann zwar – v.a. wenn der Wunsch Vater des Gedanken wird – Erkenntnis stark vernebeln, sie ist aber auf der anderen Seite oft ein intensiver Antrieb, wenn nicht der Schlüssel um sich Erkenntnisse anzueignen. Das gilt für Vollblutideologen aller Couleurs. Hochgebildete ideologische Überzeugungstäter aus dem Bereich der Ökonomie sind beispielsweise Karl Marx oder Josef Alois Schumpeter. Über die deutlich stärkere Politisierung der Gesellschaft und der Studentenschaft in Argentinien werde ich noch einmal einen eigenen Eintrag verfassen.


Universidad de Buenos Aires, Facultad de Ciencias Económicas

Wieso die Studierenden (der Sozial- und Geistswissenschaften) meiner Auffassung nach deutlich besser ausgebildet sind als in Wien, habe ich in einem BLOG-Eintrag meiner SPÖ-Sektion kürzlich zum Besten gegeben: Augenmerk auf die Lehre

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Die Arbeit im CAINA (Teil 3)

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Hier ein paar der entzückenden, handzahmen, höflichen und in jeder Hinsicht zuvorkommenden Besucher/innen des CAINA.

Diesen Eintrag über das CAINA (mein Straßenkinderheim) möchte ich mit einer kleinen Anekdote beginnen. Ein Bursche von 17 Jahren saß kürzlich beim Mittagessen im CAINA neben mir. Als ich ihm auf Nachfrage erklärte, dass ich aus „Austria“ sei, kam nicht die Standardantwort „Ahhh, Australiano?“, sondern zu meiner großen Überraschung die Frage ob ich aus „Viena“ käme. Ich bejahte dies, worauf mir der junge Herr auf Deutsch einen „Guten Tag“ wünschte. Es gibt viele Menschen in Argentinien die Hallo, Dankeschön, Guten Tag oder Tschüss sagen können, aber für gewöhnlich sind das keine Straßenkinder. Ob meiner sichtlichen Erstauntheit erklärte mir der Bursche, dass seine Nachbarin Wienerin gewesen sei. Ich stelle ihn sofort auf die Probe, er konnte ohne Probleme Servus, Bitte und Danke auf Spanisch übersetzen. Es stellte sich heraus, dass die Frau – eine alte Dame – bereits vor einigen Jahren verstorben war. Sie hatte mehrere Jahre neben der Wohnung der Familie des Burschen gelebt und ausschließlich Deutsch mit ihren Nachbarskindern gesprochen. Diese waren jung, aufnahmefähig und hatten offensichtlich passiv einiges verstanden. Wir identifizierten noch ein paar Wörter, bis er mir sagte, sie habe stets einen Satz laut ausgesprochen, wenn es schlecht roch. Ich bat ihn gespannt mir selbigen wiederzugeben und hörte mit vorerst ungläubiger Fassungslosigkeit folgende Laute: „Pfui Deife“

Luis ist sozusagen mein bester Freund unter den Kids, leider wurde er 19 und darf jetzt nur noch einmal pro Monat zu Besuch kommen. Er ist zweifacher Vater mit zwei verschiedenen Mädchen. Mit der 17-jährigen Maria die im September ein Töchterchen von ihm bekommen hat, lebt er jetzt auch mehr oder weniger zusammen.

Es hat mich vor Lachen fast vom Sessel geworfen. Auf die Bitte mehrer anwesender Sozialarbeiter/innen zu erklären was mich so belustige konnte ich nur auf die Unerklärbarkeit dieser Komik verweisen. Wie soll man einer Person die nicht aus Österreich kommt, geschweige den Deutsch spricht das Kuriosum erläutern, von einem 17-jährigen argentinischen Straßenkind in einem Tageskinderheim in Buenos Aires einen dermaßen ur-österreichischen Ausspruch entgegengeschleudert zu bekommen? Wie originell „Pfui Deife“ sowohl im Klang, als auch mit seiner typisch österreichischen Verniedlichung – die in diesem Falle sogar vor dem Satan nicht Halt macht – eigentlich ist wurde mir erst durch dieses Erlebnis klar. Da der Ausspruch heute in Österreich nicht gerade zum Standardrepertoir des Jugendslang der späten 2000er-Jahre gehört, habe ich für mich beschlossen ihn ob seines spezifischen Witzes bewusst in meinen aktiven Wortschatz zu integrieren. Die alte störrische Wienerin, die sich – wie viele Menschen aus ganz Europa (vor allem die Italienerinnen) – bis zum Schluss geweigert hat ihre Muttersprache abzulegen, hat es sich verdient ihren antiquierten aber großartigen Ausdruck nicht aussterben zu lassen.

Kenntnisse der Geographie finde ich - wie dem aufmerksamen Teil meiner Leser/innen EVENTEULL schon aufgefallen ist - besonders wichtig. Daher habe ich dem CAINA zwei Landkarten mit zwei Erdteilen geschenkt, die zufällig mit jenen übereinstimmen die mich besonders interessieren. Dafür kann man jetzt Geographie-Ratequiz machen.


Der heitere Einstieg ist in Wirklichkeit nur ein Köder für diesen recht stark statistisch unterminierten Artikel. Vielen Volkswirt/innen sind Statistiken ja lieber als jeder Erklärungstext, für den weniger auf Zahlen fokussierten Teil der Leserschaft habe ich den Grafiken jedoch einige kompakte Erklärungen hinzugefügt, die wie saftige Bratenhäppchen ganz sanft auf der Zunge zergehen.

Erst einmal möchte ich zwei Herren vorstellen, die für eine Privatfirma im städtischen Dienst jeden Tag ins CAINA kommen und Lebensmittel bringen. Der eine älter, der andere jünger, aber beide kräftig, bärtig und etwas verschwitzt, was mich und die Köchinnen nicht davon abhält sie jeden Tag mit dem obligatorischen Wangenküsschen und einem „hola amigo“ – wir kennen uns ja nicht beim Namen – zu begrüßen. Die beiden Herren haben eine Liste, mit 14 „Comedores“ (öffentliche Küche) der Zone Südost, die sie jeden Tag beliefern. Ihr nicht zu verachtender Körperumfang lässt darauf schließen, dass sie auch in den anderen 13 Comedores – so wie bei uns – ein kleines Imbisshäppchen verschlingen.

Rosa und ich beim Abwaschen. Rosa kommt aus Lanus im südlichen Vorortegürtel. Nach der Arbeit im CAINA schuftet sie im Pizzalieferladen ihres Mannes. Ebenso an den Wochenenden. Einen freien Tag hat Rosa nie.

Die beiden haben mir mitgeteilt, dass es in ihrer Firma insgesamt acht „Camiones“ (Lastautos) gibt, sowie vier weitere Firmen die Lebensmittel für öffentliche Einrichtungen ausliefern. Angenommen die anderen Firmen haben auch acht Camiones und beliefern 14 Comdores, ergibt eine grobe Überschlagsrechnung, dass die Stadtregierung an rund 560 Orten öffentlich warmes Essen ausgibt, inklusive Spitäler, Horte etc. Einen städtischen Beamten der kürzlich zur Kontrolle der Lebensmittellieferung kam habe ich gefragt, wie viele dieser Orte dezidiert der Armenausspeisung dienen. Er sagte alles zusammen (Kinder, Kleinkinder, Alleinerzieherinnen sowie normale Comedores für jedermann) seien es mindestens 300. Das ist auf den ersten Blick für die Bundeshauptstadt ohne Vororte (ca. 3 Millionen Einwohner/innen) gar nicht so wenig, allerdings stehen dem alle Menschen gegenüber die in Buenos Aires im Elend leben. Das sind nach meinen bisherigen Informationen, Einschätzungen und Erfahrungen nicht mehr als fünf Prozent der Bevölkerung. Das stimmt auch mit der für 2008 geschätzten Zahl von 167.000 Menschen die in „Villas“ (Elendsviertel) leben recht genau überein. Natürlich sind nicht alle Menschen in Villas auf die öffentliche Ausspeisung angewiesen, trotzdem kämen gemäß dieser Zahlen auf jeden Comedor rund 550 Menschen. Ausgehend vom CAINA rechne ich dass pro Comdedor durchschnittlich weniger als 50 Menschen täglich essen (2008 waren es im Schnitt 40). Diese Zahl ist weit entfernt von 550, allerdings kommen nicht immer die gleichen Leute. In den letzten Jahren suchten jährlich rund 1000 verschiedene Kinder das CAINA auf. Wenn wir diese Zahl als Richtwert auf alle angenommenen 300 Comedores hochrechnen, stehen den 167.000 Bewohner/innen von Elendsviertel rund 300.000 Menschen gegenüber, die zumindest einmal jährlich an einer öffentlichen Ausspeisung teilnehmen. Ich betone nochmals, dass es sich hier um Einschätzungen und Daumen mal π-Rechnungen handelt, aber zumindest die Größenordnungen scheinen mir recht plausibel.

Die Anzahl von Mädchen auf der Straße und im CAINA steigt. Das ist nicht nur ein schlechtes Zeichen, es heißt auch, dass sich weniger Mädchen Gewalt und sexuellen Missbrauch, vor allem von ihren Vätern, gefallen lassen.

Im Folgenden sichten wir einiges an statistischem Material, das sich unmittelbar auf das CAINA bezieht. Im Jahr 2008 besuchten durchschnittlich 40 Kinder pro Tag das CAINA, insgesamt kamen von Jänner bis September 779 verschiedene Kinder. Die Daten für 2008 gehen aus mir unerklärlichen Gründen nur bis September, insgesamt werden es im Vorjahr wohl rund 1000 Kids gewesen sein. Aus Tabelle 1 geht hervor, dass das Aufsuchen des CAINA (das seit 1992 existiert) sehr stark konjunkturabhängig ist. Die soziale Situation spitzte sich schon vor der Krise zu und führte zwischen 1997 und 2001 zu einer Verdoppelung der Kinder die das CAINA aufsuchten. Nach der Zusammenbruch 2001 stieg die Anzahl nochmals um 50% auf den bisherigen Rekordwert von 1438 Besucher/innen im Jahr 2003. In den wirtschaftlich prosperierenden Folgejahren nimmt der Zustrom wieder deutlich ab. Unabhängig von der Konjunktur zeigt sich, dass die Besucher/innen des CAINA deutlich weiblicher wurden und ihren Anteil von 1997 bis 2008 um fast zehn Prozentpunkte von 15,3 auf 24,5 Prozent steigerten. 2006 lag ihr Anteil sogar bei 28,5 Prozent.

Tabelle 1: Gesamtzahl der versorgten Kinder pro Jahr sowie Geschlechtsstruktur


Die Alterstruktur der Kinder ist in Tabelle 2 aufgeschlüsselt, auch hier zeigt sich ein konjunkturunabhängiger Trend. Das Durchschnittsalter der Kids die das CAINA besuchten stieg von 1997 bis 2008 von 14,4 Jahre auf 15,4 Jahre um exakt ein Lebensjahr an. Das ist ein massiver Anstieg, in der Tabelle ist auch aufgeschlüsselt dass es vor allem die 16 bis 18-jährigen sind, die zugenommen haben, während die 12 bis 15-jährigen deutlich weniger wurden.

Tabelle 2: Altersstruktur der Kinder

Interessant ist auch wo die Kinder ihren letzten Wohnort angeben, dies ist in Tabelle 3 aufgeschlüsselt. So gut wie alle Kinder wohnen in Buenos Aires Capital Federal (ohne Vorstädte). Den größten Brocken (13%) macht der ursprünglich arme, aber touristisch und künstlerisch immer mehr durchsetzte Schick-Bezirk San Telmo aus, an dessen Grenze sich auch das CAINA befindet. Gefolgt von Retiro (12%), einem ganz zentral gelegenen Bezirk der neben besonders noblen Wohngegenden auch die Villa 31 beherbergt, das größte Elendsviertel des Zentrums. Danach folgt der als besonders gefährlich geltende Bezirk Constitución (9%), der im Westen unmittelbar an San Telmo angrenzt.

Tabelle 3: Letzter von den Kindern angegebener Wohnort

Ein völlig anderes Bild ergibt sich, wenn man schaut wo die Kinder ursprünglich herkommen. Sie leben zwar de facto alle in Capital Federal (ohne Vororte, 3 Millionen Einwohner/innen), kommen aber vorwiegend aus dem 10-Millionen Einwohner/innen starken Vorortegürtel (Gran Buenos Aires). 2008 kamen nur 7,7 Prozent der Kids ursprünglich aus Capital Federal, aber 81,7 aus dem Vorortegürtel. Dabei führen interessanterweise die sehr weit außen liegenden Randbezirke des buenosairschen Agglomerationsmonsters, nämlich Quilmes (Süden) und Moreno (Westen). 7,7 Prozent kamen aus weiter entfernt liegenden Teilen der Provinz Buenos Aires, 2,8 Prozent aus dem „Interior“, also aus Provinzen außerhalb der Provinz Buenos Aires. Nur 0,1 Prozent, sprich nur eine einzige Person aus außerhalb Argentinien. Obwohl es geschlossene bolivianische und peruanische Stadtviertel gibt, habe ich noch kein einziges völlig indigenes Kind im CAINA angetroffen (die Mehrzahl der Kids hat allerdings irgendeinen nicht-europäischen Einschlag). Wo die Kids der meist auch im oder am Rande des Elend lebenden Migrant/innen hingehen weiß ich nicht, ins CAINA jedenfalls nicht.

Noch eine Gegebenheit scheint mir interessant. Meine Lieblingsköchin Maria lebt in La Boca, jenem Stadtteil der neben dem vielleicht berühmtesten Fußballklubs Argentiniens auch etliche soziale Probleme beheimatet. La Boca liegt ganz am Südostrand der Hauptstadt und gilt als besonders gefährlich, obwohl es oder keine Villa (Slum) gibt. Maria ist 39 und wurde kürzlich Großmutter. Ihr 17-jähriges Töchterchen hat ein Baby bekommen. Das ist nichts außergewöhnliches für das soziale Umfeld in La Boca, an dessen unmittelbarer Grenze das CAINA liegt. Auch die Kinder im CAINA kann das nicht verwundern, sind doch etliche 17-jährige Mädchen Stammgäste die bereits doppelte Mütter sind. Auch Celia aus der „Roperia“ (Gewandabteilung) lebt in La Boca, ebenso wie Nora. Letztere arbeitet erst seit ein paar Jahren im CAINA, ihr 22-jähriger Sohn der jetzt als Pizzalieferant beschäftigt ist kennt den Laden schon wesentlich länger. Er war selbst sechs Jahre lang Straßenkind. Worauf ich hinaus will ist der Umstand, dass die Straßenkinder offenbar nicht ausschließlich aus den Villas (Slums) kommen, sondern ihre Gewohnheiten und Lebenswesen mit fließenden Grenzen bis tief in die Arbeiterschicht verankert sind.

Damit man mich von den Kindern unterscheiden kann trage ich Bart und Hemd. Täte ich das nicht, man hielte mich in CAINA ob meines jugendlichen Aussehens für ein „chico de la calle“ und ich dürfte die Küche – meinen Arbeitsplatz – gar nicht betreten.

Zum Abschluss noch eines der Lieder, die quasi täglich im Caina gespielt werden: Quiero ser tu amigo nada más

Montag, 19. Oktober 2009

Was ist amerikanisch an Argentinien?

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Amerikanisch ist ein schwieriger Begriff. Die Menschen in Argentinien sind zu Recht angefressen, wenn man von Amerikaner/innen spricht, und die USA meint. Immerhin leben 2/3 der 900 Millionen Amerikaner/innen nicht in den Vereinigten Staaten. Das sollten US-Bürger/innen und Europäer/innen eigentlich bei ihrem Sprachgebrauch berücksichtigen. In Argentinien gibt es neben dem tendenziell abwertenden „Yankees“ (argentinisch: „Schankies“) zwei wichtige Begriffe für die US-Bürger/innen. Das sehr treffende „estadounidense“ und das aus der Sicht Mexikos und Kanadas auch nicht ganz gerechtfertigte „norte americano“.

Mit der Fragestellung „Was ist amerikanisch“ an Argentinien meine ich auf den ersten Blick „US-amerikanisch.“ Es gibt aber durchaus Parallelen, die wohl für mehrere Staaten Amerikas zutreffen und daher so etwas wie „amerikanische Gemeinsamkeiten“ konstituieren. Dazu aber noch später. In Folge vergleiche ich die einzigen beiden amerikanischen Staaten, die ich persönlich kenne. An anderer Stelle habe ich bereits über die bewusste kulturelle Abwehrhaltung Argentiniens gegenüber den USA berichtet. Trotzdem teilen die beiden Nationen einige Gemeinsamkeiten. Welche aus europäischen Augen gesehen „amerikanischen“ Charakteristika finden sich also auch in Argentinien:


Die Distanzen: Eine dreistündige Autofahrt von Wien nach Salzburg ist für unsereins eine Reise. Anders in den USA und Argentinien, hier sind achtstündige Autofahrten um am Wochenende die Oma zu besuchen keine Besonderheit. Wenn ich erzähle, dass die nächstgelegene Hauptstadt von Wien nur 50 km. entfernt liegt, sind die Menschen einigermaßen fassungslos. Überhaupt ist von Wien aus gesehen vieles für amerikanische Verhältnisse extrem nahe:

Bratislava: 50 km
Budapest: 200 km
Prag: 250 km
München: 350 km
Venedig: 450 km
Berlin: 500 km
Mailand: 600 km
Paris: 1.000 km
Kiew: 1050 km

1.000 km entspricht der Strecke Buenos Aires – Mendoza. Damit hat man nicht einmal noch das Land von Ost nach West durchquert. Von den USA ganz zu schweigen, 1.000 km von New York erreiche ich nicht einmal Chicago. Keine Sorge, die Distanzen sind das einzige Element meiner Aufzählung, das von Google earth unterminiert wurde, die weiteren Beispiele kommen ohne geographische Details aus.




Der Platz: Direkt mit den Distanzen geht der Umstand einher, dass unfassbar viel Platz besteht, der trotz exzessiv großzügiger Nutzung bei weitem nicht verwendet werden kann. Was die typischen Postkartenansichten von Buenos Aires verschleiern ist die Tatsache, dass der Großteil von Capital Federal (Hauptstadt ohne Vorstädte) aus ein- bis zweigeschossigen Häusern besteht. An der Ostseite und bis hinein in die geometrische Stadtmitte gibt es viele mehrstöckige Bauten und Hochhäuser. Der gesamte Rest sieht aus wie eine Kleinstadt die kein Ende nimmt. Wenn in der Hauptstadt schon so mit Platz geurasst wird, kann man sich vorstellen, wie es in kleineren Städten und in Dörfern aussieht. Dort ist alles sehr großzügig angelegt, im Dorf steht nicht Haus neben Haus sondern Garten neben Garten. Es ist erstaunlich, dass das Hochhaus vor über 100 Jahren in (Nord)amerika seine Erfolgsgeschichte begann. Eigentlich wäre diese Bauweise im dicht besiedelten Europa viel zweckmäßiger.

Abgesehen vom Osten und der Mitte sieht Buenos Aires über Quadratkilometer so aus. Wie ein Derfel.


Die Freiheit: Die Distanzen und der Platz bedeuten natürlich ein Freiheitsgefühl und auch eine real existierende Freiheit, die es in Europa de facto nicht gibt. Die hohe Bevölkerungsdichte bei uns erfordert auch in ländlichen Gebieten ein komplexes Regelwerk, dass das Zusammenleben von vielen Menschen auf wenig Raum ordnet. In Österreich gibt es z.B. nur ein paar Hektar bewusst erhaltenen Urwald. 99% der Flächen sind Kulturlandschaft, also vom Menschen kontrolliert und verwendet. Bei uns ist jedem Quadratmeter Land ein behördlich kontrollierter Nutzen zugeordnet. Wo man Gehen, Reiten oder Mountainbike fahren darf ist exakt reguliert. Wie die Dachneigung aussehen muss um das Ortsbild nicht zu verschandeln ist ebenso vorgeschrieben wie die exakte Mülltrennung (zumindest in NÖ). Was die Landwirte anbauen wird von der EU per Satellit kontrolliert. Anders in Argentinien (und in den nonurbanen USA): So wie man sich die Route 66 vorstellt, so sieht auch der Großteil Argentiniens aus. Es ist die einsame Freiheit, die man in US-Roadmovies erahnt, ein Gefühl, das sich wahrscheinlich am besten auf Trucks oder Motorrädern erleben lässt. Dort wo fast nichts ist, gibt es auch fast keine Regeln. Weit weg von staatlichen Autoritäten sind Verkehrsregel, Bauordnung oder Waffengesetz überflüssig. Ob ich dort draußen reite, schieße, segelfliege, paragleite, mit 180 km/h rase, eine Blechhütte aufstelle, meinen Giftmüll vergrabe, einen Joint rauche oder nackt über meinen Acker laufe, ist einfach egal. Die Kehrseite dieser Freiheit ist natürlich der Umstand, dass das Faustrecht in solchen Gegenden eine größere Rolle spielt als in urbanen Gebieten. Ich kann diese Mentalität nur versuchen zu erahnen, aber die Cowboy-Redneck-Republikaner-Waffenlobby-Identität dürfte eng mit dieser Auffassung von Freiheit zusammenhängen.


Der Gaucho (argentinischer Cowboy) als Symbol für Freiheit und Wildheit weitab der Zentren der Zivilisation.


Die Rinder: Argentinien führt im Rindfleischkonsum mit Abstand vor Australien und den USA. Ich weiß nicht ob es mit der unendlichen Weidefläche zu tun hat, dass Rinder und vor allem das Rindfleisch in den USA und in Argentinien eine wesentlich größere Rolle spielen als bei uns. Jedenfalls ist der Fleischkonsum in beiden Staaten höher als in Europa und Rind das mit Abstand wichtigste Fleisch. Der Rindfleischkonsum betrug in Argentinien in den 1970er-Jahren unfassbare 90 kg pro Kopf (250 Gramm täglich!), heute ist er auf 70 kg gesunken. In Argentinien ist „Carne“ (Fleisch) gleichbedeutend mit Rindfleisch, Schweinefleisch spielt eine total untergeordnete Rolle.

Die Schachbrettstädte: Was Wiener Neustadt schon im Mittelalter vorexerzierte, haben die Städte Amerikas in der jüngeren Neuzeit exakt durchgezogen. Die Städte Argentiniens – allen voran Buenos Aires – sind schachbrettartig angelegt. Das ist ein triftiger Grund nicht in Amerika zu leben. Es gibt keine Plätze, keine Gasserln, kaum Diagonalstraßen und somit wenig Dreieckshäuser im spitzen Winkel zweier Straßen. Überdies ist der Autoverkehr unerträglich dominant, als wäre das Verkehrskonzept ausschließlich aufs Auto ausgerichtet. Jede vierte Straße ist eine fünf- der mehrspurige Riesen-Avenida Natürlich gibt es keine Straßenbahn sondern nur dröhnende Autobusse. Sämtliche Dörfer und Städte Argentiniens sind schachbrettförmig angeordnet. Schachbrettstädte mögen – so wie New York oder Buenos Aires – großartig und beeindruckend sein. Ihnen fehlt aber das lieblich-verspielte. Wer sich in Städten vom Typus Florenz, Salzburg oder Brügge so richtig wohl fühlt, wird es in Amerika schwer haben mit dem Stadtbild warm zu werden.

Die Ausnahme von der Regel: Die Lieblingsstraße in meinem Viertel heißt Calle Oruro. Ich mag sie weil sie klein ist, gepflastert, weil keine (5000 Dezibil) Autobusse durchfahren, aber vor allem weil es eine Diagonalstraße ist.


Das ist mein Stammcafé. Obwohl die „Media Lunas“ (Kipferl) immer alt schmecken komme ich hier her. Vor allem weil es am Eingang der Calle Oruro liegt und in einem von mir geliebten Dreiecksgebäude untergebracht ist. Links in der Ecke der Kiosk, wo ich immer mein Argentinisches Tageblatt kaufe



Der Individualverkehr: Genauso wie die Stadt Buenos Aires eine Autostadt ist, kann man ganz Argentinien als Autoland bezeichnen. Auch wenn es noch nicht überall Autobahnen gibt, die Überlandstraßen sind perfekt asphaltiert und es gibt keine Schlaglöcher. Die gewaltigen Trucks sehen aus wie in den USA und die Spritpreise sind – auch wegen eigener Off shore Erdölförderung – sehr niedrig. Überdies ist das Eisenbahnnetz ähnlich wie in den USA nur mehr rudimentär vorhanden. Hat man kein Auto, reist man im Mikro (Überlandbus).

Die Wertigkeit alter Bausubstanz: Altbauten (alt bedeutet in Argentinien Gebäude aus der Jahrhundertwende 1900) haben keinen besonders hohen Stellenwert in Buenos Aires. In Wien lebt man hingegen am liebsten in einem sanierten Altbau, modernere Hochhausanlagen befinden sich meist in Randlagen und haben einen geringeren sozialen Statuts. So etwa Gemeindebauten, vor allem jene die nach 1945 erbaut wurden, in jenen Jahrzehnten als Funktionalität das einzig relevante Kriterium war und so hässlich gebaut wurde wie nie zuvor. In Buenos Aires sind die modernen Hochhäuser zentraler gelegen und optisch ansprechender als jene in europäischen Vorstädten. Sie gelten als sehr schick. Die zwei oder sogar nur eingeschossigen Altbauten sind oft heruntergekommen und nicht sonderlich beliebt. Der bautechnisch alte Süden der Stadt ist tendenziell arm bis prekär, während der bautechnisch modernere Norden wohlhabend bis elegant ist. Noch immer werden alte ein bis zweigeschossige Häuser abgerissen um ein modernes Hochhaus zu errichten. Natürlich ist es unfassbar viel profitabler auf der gleichen Grundfläche ein Hochhaus anstatt eines 2-Familienhauses stehen zu haben. Die Margen öffnen der Korruption Tür und Tor. Das Denkmalamt mag die mächtigste Behörde Roms sein, in Argentinien hat es wenig zu melden. Auch in den USA hat sich die Liebe zur „alten“ Bausubstanz seit je her in Grenzen gehalten. Amerika ist im Bezug auf seine architektonische Geschichte sehr pragmatisch.

Hier ein paar eingeschossige Altbauen in meiner Straße (Urquiza), wie gewöhnlich ziemlich heruntergekommen.


Die bewachten Wohngegenden: Wie in den USA gibt es in Argentinien Wohngegenden die mit Stacheldraht umzäunt sind, die von bewaffneten Sicherheitsleuten bewacht werden und deren Zufahrt nur durch eine mit Schranken gesicherte Straße möglich ist. Einen Nachmittag habe ich in einem solchen Reichenghetto verbracht. Der Charme dieses "Country" bewegte sich zwischen Disney-Kitsch und meinen Erinnerungen an den Eisernen Vorhang in Ungarn. In unmittelbarerer Nähe zu diesem Country befand sich eine gewaltige „Villa“, also ein slumähnliches Elendsviertel. Die unfassbare soziale Schieflage rächt sich an den Wohlhabenden indem in den besten Wohngegenden die Kriminalität besonders hoch ist. Obwohl Buenos Aires voll von Kiwera ist, hat die Stadtregierung dieser Tage eine zusätzliche Stadtpolizei ins Leben gerufen. Die Rechten werden immer glauben, dass Kriminalität am besten mit einem noch gewaltigeren Sicherheitsapparat bekämpft werden kann. Dieser Irrglaube kostet – wie zahlreiche Raubmorde zeigen – auch immer wieder Mitgliedern ihrer exklusiven Gemeinschaft das Leben.


Ein Haus in einem Country. Vorne Swimmingpool, hinten Stacheldraht.


Das bombige Essen: Eine Parallele zwischen den USA und Argentinien drückt sich in der Esskultur aus. Über den Rindfleischkonsum wurde bereits gesprochen, wesentlich verblüffender sind jedoch die Ähnlichkeiten in der Zubereitung von Essen. Beide Küchen haben ein Faible für das Undezente und Unraffinierte. Riesige Fleischstücke, aber keine Marinade, massenhaft Käse auf der Pizza, jedoch kaum Gewürze bei der Essenszubereitung, stark gesalzene Speisen aber kein Pfeffer am Tisch, inflationäre Verwendung von Zucker der etwa Torten de facto ungenießbar macht, bei gleichzeitiger völliger Absenz von Esprit. Dass der Mangel an Feingeschmack durch bombige Rezepte ersetzt wird, habe ich auch in den USA so empfunden.

Achtung, der Schein trügt. Nicht hinein beißen! Die Massen an Zuckerschaum sind selbst für große Freunde des Süßen zu geil.


Von einigen der genannten Charakteristika weiß ich aus Erzählungen, dass sie in anderen amerikanischen Staaten ebenso anzutreffen sind. Vor allem die Distanzen und der Platz. Auch die abgeschotteten Reichenviertel in unmittelbarer Nähe zum Elend sind in etlichen amerikanischen Staaten Realität, wobei ich intuitiv annehme dass etwa Kanada oder Kuba aus der Reihe fallen. Was die Küche betrifft muss man noch vorsichtiger sein. Von mehreren Seiten habe ich gehört, dass in Kolumbien, aber vor allem in Peru mit wesentlich mehr Raffinesse und Liebe zum Detail gekocht wird. Ein Abendessen in einem peruanischen Gasthaus lässt mich annahmen, dass diese Einschätzung von einem beträchtlichen Wahrheitsgehalt ist.